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Nullport

Geschichte

Vor vierzig Jahren brach das weltweite Netz zusammen. Nur ein einziger Knoten überlebte: Port Zero. Um ihn herum wuchs Nullport, eine Stadt, die nach oben baut, weil jeder so nah wie möglich am letzten Zugang zur Welt sein will. Vier Lager kämpfen um die Stadt, und jedes hält sich für das einzige, das sie retten kann.

Kapitel 1

Wie es dazu kam

Der Turm von Port Zero, gebaut um den letzten Knoten der Welt.
Der Turm von Port Zero, gebaut um den letzten Knoten der Welt.

Der Kaskadenbruch

Niemand weiß mehr genau, wer angefangen hat. Ein Angriff, eine Abwehr, ein Gegenangriff – und innerhalb von drei Tagen verbrannte sich das weltweite Netz selbst. Rechenzentren, Satelliten, Leitungen: tot. Mit dem Netz fielen Lieferketten, Strom, Banken und Krankenhäuser.

Port Zero

In einer Hafenstadt stand ein alter Forschungsknoten, dessen Testanschluss nie jemand abgeschaltet hatte – im Schaltplan hieß er einfach „Port Zero“. Er hatte den Kaskadenbruch verschlafen. Als überall das Licht ausging, brannte es dort noch. Wer Port Zero erreichte, konnte wieder mit dem Rest der Welt sprechen: mit verstreuten Städten, Lagern, Maschinen und Archiven.

Die Stadt wächst nach oben

Jeder wollte in die Nähe des Knotens, denn Nähe bedeutet eine schnelle Verbindung, und eine schnelle Verbindung bedeutet Macht. Platz gab es keinen, also wurde gestapelt. Wer Geld hatte, baute höher. Wer keines hatte, wurde überbaut. Irgendwann kam unten kein Sonnenlicht mehr an. Aus dem Hafen wurde Nullport.

Kapitel 2

Die Stadt heute

Nullport im Querschnitt: oben Sonne, unten Neon, ganz unten nur noch Monitorlicht.
Nullport im Querschnitt: oben Sonne, unten Neon, ganz unten nur noch Monitorlicht.

The Spire

Glas, Stein und Sonne über den Wolken. Gärten auf den Dächern, saubere Luft, Stille. Hier wohnen die Konzerne.

Midlane

Hochstraßen, Bahntrassen und Kontrollpunkte. Graues Licht, Dauerregen, Blaulicht. Hier leben Pendler und die Mittelschicht, und hier hält die Wacht die Schleusen zwischen den Ebenen.

The Gutter

Kein Tageslicht. Neon, Garküchen, Märkte und Dampf – laut, eng und lebendig. Die Gosse gehört den Gangs, den Arbeitern und allen, die oben vergessen wurden.

Undergrid

Die alten Kabeltunnel unter der Stadt, bis hinunter zu den Grundfesten von Port Zero. Hier leben die Hacker, beleuchtet nur von ihren Monitoren.

Die Regenkaskaden

Das Regenwasser der oberen Ebenen stürzt als Wasserfall nach unten. Oben ist es sauber. Unten trinkt man es gefiltert – oder eben nicht.

Kapitel 3

Die vier Fraktionen

In Nullport gibt es keine Guten und keine Bösen. Jede Fraktion hat eine Geschichte, die sie erklärt, ein Ziel, das man verstehen kann, und eine dunkle Seite, über die sie lieber schweigt.

Die Konzerne

Herkunft
Nach dem Kaskadenbruch waren es die großen Firmen, die Ordnung schufen – Strom, Wasser, Nahrung, Zugang zu Port Zero. Ohne sie wäre die Stadt im ersten Winter verhungert. Das vergessen sie nie, und das lassen sie niemanden vergessen.
Was sie glauben
Sicherheit braucht Ordnung, Ordnung braucht eine Spitze. Chaos hat die alte Welt getötet. Wer oben steht, trägt Verantwortung für alle – und muss deshalb auch entscheiden dürfen.
Was sie wollen
Port Zero kontrollieren, den Zugang in „Zeitscheiben“ verkaufen und die Stadt planbar machen.
Was sie verschweigen
Den Hungerwinter. Als sich die Gosse vor zwölf Jahren erhob, drosselten die Konzerne Strom und Lieferungen nach unten und gaben der Wacht ihren Segen, die Schleusen zu schließen. Sie nennen es „Stabilisierung“.
Direktorin Sato
Hat sich aus der Midlane nach oben gearbeitet und glaubt deshalb, dass es jeder kann. Kühl, brillant, unbestechlich – nicht, weil sie gut ist, sondern weil Bestechung ineffizient ist. Sie hält sich für die Einzige, die Nullport vor dem Zusammenbruch bewahrt.

Die Wacht von Nullport

Herkunft
Gegründet in den ersten Wochen nach dem Kaskadenbruch, als Freiwillige die Wasserausgabe und die Aufzüge zwischen den Ebenen bewachten. Bis heute halten sie Schleusen, Brücken und Kontrollpunkte – die Adern, durch die die Stadt atmet.
Was sie glauben
Ohne Ordnung stirbt jeder. Die Konzerne sind zu weit weg, die Gangs zu wild, die Hacker zu naiv. Die Wacht steht dazwischen und hält den Kopf hin. Die meisten Beamten sind ehrlich, schlecht bezahlt und stolz auf ihr Schild.
Was sie wollen
Dass Nullport nie wieder kurz vor dem Zusammenbruch steht. Lieber eine harte Ordnung als ein weiches Chaos.
Was sie verschweigen
Die Schleusennacht. Im Hungerwinter drängte der Aufstand der Gosse die Ebenen hinauf, Richtung Port Zero. Hätte der Kampf den Knoten erreicht, wäre die letzte Verbindung zur Welt vielleicht für immer verloren gewesen. Der Kommandant schloss alle Schleusen zwischen den Ebenen – neun Tage lang. Unten gab es kein Wasser, keinen Strom, kein Essen. Wie viele starben, weiß niemand. Offiziell war es „ein Unglück bei Unruhen“, die Akten sind versiegelt.
Präsident Kessler
Er war dieser Kommandant. Ein alter Streifenpolizist mit Orden und einem Kiefer aus Metall, seit ihm jemand das Original weggeschossen hat. Kessler glaubt bis heute, das Richtige getan zu haben – vielleicht hat er sogar recht. Die Konzerne kennen die Wahrheit, denn der Befehl kam mit ihrem Segen. Damit halten sie ihn in der Hand: Die Wacht ist nicht käuflich, aber erpressbar.

Die Gangs

Herkunft
Die Nachfahren der Turmbauer – der Arbeiter, die The Spire mit eigenen Händen hochgezogen haben. Als Maschinen die Arbeit übernahmen, wurden sie nicht mehr gebraucht und buchstäblich überbaut. Nach dem Hungerwinter schworen sie sich: Nie wieder hängen wir an fremden Leitungen.
Was sie glauben
Familie ist, wer mit dir hungert. Niemand da oben wird uns etwas schenken, also nehmen wir es uns.
Was sie wollen
Ihre Viertel selbst regieren, mit eigenen Märkten und eigenem Strom – und eines Tages das Licht von oben zurück.
Was sie verschweigen
Sie schützen ihre Leute, aber sie kassieren auch bei ihnen ab. Revierkriege zwischen den Crews kosten mehr Leben als jede Razzia. Und mancher Gang-Boss lebt längst wie die, die er bekämpft.
Neun
Ihren echten Namen kennt niemand mehr. Die Gosse nennt sie Neun, weil sie als Kind die neun Tage der Schleusennacht überlebt hat. Jedes Mal, wenn jemand den Namen ausspricht, erinnert er an das, was damals geschah. Sie ahnt, wer die Schleusen geschlossen hat, kann es aber nicht beweisen. Heute betreibt sie den größten Nachtmarkt der Gosse. Laut, herzlich, gnadenlos. Wer bei ihr isst, gehört zur Familie. Wer sie betrügt, wird nie wieder gesehen.

Die Hacker

Herkunft
Die Erben der alten Netztechniker, die Port Zero nach dem Kaskadenbruch am Laufen hielten – bis die Konzerne sie verdrängten. Sie zogen sich in die Tunnel zurück, wo die echten Leitungen liegen.
Was sie glauben
Port Zero gehört niemandem. Information will frei sein. Wer den Zugang verkauft, verkauft die Welt.
Was sie wollen
Die Macht der Konzerne brechen und Port Zero für alle öffnen.
Was sie verschweigen
Auch sie handeln mit Daten – mit Geheimnissen, Identitäten, Erpressungsmaterial. Ihre Sabotage legt oft genau die Viertel lahm, die sie befreien wollen. Und wer Port Zero für alle öffnen will, muss ihn erst einmal selbst besitzen.
Der Architekt
Halb Mensch, halb Schnittstelle, einer der letzten, die Port Zero noch von innen kennen. Ein ruhiger Idealist mit sehr langem Gedächtnis. Ob er die Stadt befreien oder beherrschen will – vielleicht weiß er es selbst nicht mehr.
Kapitel 4

Legenden und Gestalten

Null

Vor neun Jahren stand das Netz von Nullport für sieben Minuten still. Kein Konzern, keine Bank, keine Polizeiakte. Danach erschien auf jedem Bildschirm nur ein Name: Null. Niemand weiß, ob sie noch lebt, ob sie ein Mensch ist oder ob es sie je gab. Jedes Lager fürchtet sie, und jedes hätte sie gern auf seiner Seite.

Der Hehler

Ein alter Händler mit Lupenimplantat, der im Hinterhof der Gosse alles kauft und alles verkauft – an jeden. Er ist der einzige Ort der Stadt, an dem alle vier Lager Geschäfte machen, ohne sich gegenseitig umzubringen. Warum das so ist, verrät er nicht.

Kapitel 5

Was niemand weiß

  • Was liegt wirklich im Kern von Port Zero, und wer hat ihn gebaut?
  • Ist die Welt draußen tot – oder wartet sie nur?
  • Was hat Null in den sieben Minuten getan?
  • Warum rührt niemand den Hehler an?
  • Wo liegen die Akten der Schleusennacht – und wer hat sie schon gelesen?